Sonntag, 17. Dezember 2017
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Feuerzangenbowle

Heinz Rühmann und »Die Feuerzangenbowle« Die Geschichte eines Filmklassikers Die „Feuerzangenbowle“ ist Kult. Seit Jahrzenten begeistert Heinz Rühmann als „Pfeiffer mit drei f“ sein Publikum. Um so erstaunlicher: Die Entstehung der berühmtesten deutschen Kino-Komödie aller Zeiten ist noch nicht erzählt worden. Der Film wurde 1943 in Potsdam-Babelsberg gedreht, mitten im Zweiten Weltkrieg, oft unterbrochen von Fliegeralarm. Nazibehörden versuchten, ihn erst zu verhindern, dann zu unterdrücken. Oliver Ohmann hat Schauspieler, Komparsen und andere Zeitzeugen gefunden, die sich an die Dreharbeiten erinnern, dazu viele Dokumente, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden. Die Geschichte des Films beginnt mehr als zehn Jahre vor der ersten Klappe im Potsdamer Tonfilm-Studio. Auf einer Bahnfahrt von zwei jungen Autoren, die eine Schnapsidee hatten...

 

Pressestimmen:

„Eine umfassende und faszinierende Dokumentation. Besonders der Materialteil muss es Fans und Forschern antun. Hochwertig aufgemachte Abbildungen, Gesprächsprotokolle und Biografien nahezu aller Beteiligten machen das Werk zu einem Feuerzangenbowlen-Kompendium, das dem Filmklassiker nichts von seinem Zauber nimmt.“ (Ostthüringer Zeitung, 31. Dezember 2010)

 

„Ohmann erzählt die schier unglaublichen Ereignisse, die dem Film schließlich auf die Leinwand verhalfen. Er schildert die Vorgänge ohne die besserwisserische Haltung der Nachgeborenen, aber mit der gebotenen Deutlichkeit.“ (Mitteldeutsche Zeitung, 31. Dezember 2010)

 

„Lachen im Krieg: Nach 67 Jahren wird die politische Geschichte der Feuerzangenbowle aufgearbeitet.“ (Leipziger Volkszeitung, 31. Dezember 2010)

 

„Genau das richtige Buch zur Jahreszeit! Süffige Pflichtlektüre schlechthin: Der Berliner Journalist Oliver Ohmann hat eine wunderbar spannende, amüsante und nachdenkliche Geschichte rund um das Zustandekommen und die Fernwirkung des Mega-Movies und des Bestsellers recherchiert.“ (Intern. Zeitschrift der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Nr. 4, 2010)

 

„Der Autor schrieb die Story eines Film-Klassikers, den jedes Kind kennt. Nach der Lektüre weiß man, wie wenig man tatsächlich über die ‚Feuerzangenbowle‘ wusste.“ (BZ am Sonntag, 9. Oktober 2010)

 

„Wer Oliver Ohmanns Buch liest, wird den Film danach mit etwas anderen Augen sehen. Das heißt nicht, dass man nicht weiter über die Pennälerstreiche lachen könnte – doch zu wissen, unter welchen Umständen diese Menschen daran mitgewirkt haben, macht die ‚Feuerzangenbowle‘ auch zu einem Historien-Drama.“ (Tim Evers im RBB-Fernsehen, Stilbruch, 14. Oktober 2010)

 

„Oliver Ohmanns Spurensuche zu einer der beliebtesten deutschen Filmkomödien besticht vor allem durch die schier unglaubliche Fülle des hier zusammengestellten Materials. Eine wahre Fundgrube für alle Feuerzangenbowlen-Fans. Ein Standardwerk.“ (Wolf Eismann im WDR-Hörfunk, Scala, 21. Oktober 2010)

 

„Es ist eines jener Bücher, von denen man meint, es müsste sie doch längst schon geben: Ein richtiges Filmbuch zum Kultfilm "Die Feuerzangenbowle" (…) Jetzt ist es da. Ohmann hat's geschrieben und so akribisch recherchiert, wie das in knapp zwei Jahren und über 65 Jahre nach den Dreharbeiten im Frühjahr 1943 noch möglich war.“ (Ralf Julke, Leipziger Internet Zeitung, 9. November 2010)

 

Autor:

Oliver Ohmann (geb. 1969), Journalist, Studium der Deutschen Literatur und der Alten Geschichte, arbeitet als Redakteur und Chefreporter der Berliner Tageszeitung »B.Z.«, Autor mehrerer Bücher zur Sport- und Berlin-Geschichte, zuletzt Biografien über den Berliner Fußballer Hanne Sobek (2007) und den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (2009)

Oliver Ohmann: Heinz Rühmann und „Die Feuerzangenbowle“ Es gibt nur wenige Kultfilme aus Deutschland. Einer ist ganz sicher „Die Feuerzangebowle“. Und noch sicherer ist, dass jeder den „Pfeiffer mit drei F“ kennt, der unter dem Eindruck der berüchtigten Bowle und angesichts seiner selber nicht erlebten Pennälerzeit beschließt, die Schulzeit einfach nachzuholen.

Der Autor macht sich auf Spurensuche in der deutschen Filmgeschichte Dass dieser Film auch über 60 Jahre nach seiner Entstehung nichts an seiner Beliebtheit eingebüßt hat, ist Grund genug, ein Buch darüber zu schreiben. Worüber ? Nein, dieses Buch ist eben kein bloßes Fanzine, das nochmal die stärksten Szenen wiederholt, es ist auch kein „Buch zum Film“, und schon gar kein Roman, der die Geschichte der „Feuerzangenbowle“ literarisch erzählt.

Der Autor macht sich vielmehr auf Spurensuche. Er leistet fast archäologische Arbeit, ihm ist klar, dass sein Sujet Filmgeschichte ist. Und wie ein Historiker fahndet er akribisch nach Quellen und stellt Fragen, die bisher unbeantwortet sind. So z. B. was aus den vielen Darstellern geworden ist, die z. T. nur bei diesem, wenn auch großartigem Film mitgespielt haben.

Dreharbeiten während des Krieges „Die Feuerzangenbowle“ ist zwar zeitlos in seiner Wirkung, doch war er in seiner Herstellung ganz entscheidend in den zeitgeschichtlichen Horizont eingebettet. Die Dreharbeiten waren überschattet vom zerstörerischen Krieg, und nicht wenige Schauspieler mussten direkt nach Drehschluss zurück an die Front. Doch selbst diejenigen, die dieses überstanden, waren gezeichnet. Wer wusste schon, dass alle Lehrer der „Feuerzangenbowle“ spätestens in den 50ern gestorben sind, mit nur einer Ausnahme, dem Musiklehrer.

Die Feuerzangenbowle ist einerseits klar in den Filmapparat der Nazis eingebettet gewesen. Andererseits konnte er sich aber auch von ihm abheben. Sieben Wochen vor Drehbeginn, so erläutert der Autor, hatte die 6. Deutsche Armee bei Stalingrad kapituliert und Goebbels im Deutschen Sportpalast zum „Totalen Krieg“ aufgerufen. „Die Feuerzangenbowle“ scheint mit ihrem Arnachismus und ihrem Auflehnen gegen Autoritäten gar nicht in die Zeit zu passen, und so verwundert nicht, dass der Film zunächst verboten wurde. Man setzte eher auf Durchhaltefilme wie „Kolberg“ oder Helden-Epen wie „Carl Peters“ mit Hans Albers.

Heinz Rühmann schließlich erreichte, dass nur wenig später genau das Gegenteil eintrat: Der Film wurde „auf Befehl“ aufgeführt. Offensichtlich glaubte man durch scheinbar leichte Unterhaltung die zweifelnden Menschen der „Heimatfront“ bei Laune halten zu können.

„Die Feuerzangenbowle“ heute: Unterhaltung losgelöst vom literarischen Vorbild Heute scheint der Film dagegen wie losgelöst von dem zeitgeschichtlichen Kontext zu sein. Er hat in der Tat ein Eigenleben, und auch für die Leser, die sich der reinen Unterhaltung hingeben möchten, ist das Buch geeignet. So erfährt man vieles über die charmanten Mitschülerinnen Pfeiffers oder Interessantes über die „Herren der Bowlenrunde“. Auch die Romanvorlage –ein Reclam-Heft- wird näher beleuchtet, sowie verschiedene Drehbuch-Entwürfe und Filmnotizen des Autors der „Feuerzangenbowle“, Heinrich Spoerl.

Anders als der Titel vermuten könnte, wird Heinz Rühmann nicht herausgehoben behandelt. Ein eigenes Kapitel wird ihm nicht gewidmet. So genial er auch die Figur des Pfeiffers auch spielt, macht dies auch Sinn, denn seine Persönlichkeit würd die vielen anderen überdecken, über die man noch so wenig weiß, und nun etwas mehr.

Fazit Dem Journalisten Oliver Ohmann ist ein erstaunlich tiefer Blick in die deutsche Filmgeschichte gelungen. Der wohl beliebteste deutsche Film „Die Feuerzangenbowle“ ist so vielschichtig, dass man getrost noch weitere Bücher über ihn veröffentlichen könnte. Der Autor hat wahre Detektivarbeit geleistet und widmet den zum Teil vergessenen Schauspielern den Platz, den ihnen bisher nicht eingeräumt wurde. Ein sehr gelungener Ansatz, der aber für eingefleischte „Feuerzangenbowlen“-Fans gewöhnungsbedürftig sein dürfte.

Hier erzählt Autor Oliver Ohmann die Geschichte meines Vaters: Günther Klapp

Günther Klapp: Hotelpage Geboren 1931 in Berlin Gestorben 1987 in Berlin „Herr Axmacher, wir hatten doch gerade so einen Herrn Pfeiffer. Wissen sie noch, der mir das kolossale Trinkgeld gegeben hat.“ – Als Günther Klapp diese Sätze in der Feuerzangenbowle sprach, war er erst 12 Jahre alt, aber längst ein alter Hase im Filmgeschäft. Klapp war ein Kinderstar und 1943 bereits ein erfahrener Darsteller auf Leinwand und Bühne. Der „Illustrierte Film-Kurier“, der zum Filmstart der Feuerzangenbowle erschien, zeigte neben Rühmann auch Günther Klapp auf der Titelseite, gemeinsam in seiner Szene mit Ernst Rotmund als Hotelier Axmacher und der schönen Marion, Hilde Sessak. Günther Klapp, 1931 in Berlin geboren, wuchs in Kreuzberg auf. Seine Familie kam einst aus Iserlohn an die Spree, wohnte 1943 in der Gneisenaustraße 99. Vater Otto war gelernter Zahlmeister und überzeugter Kommunist und seit Anfang der Dreißigerjahre arbeitslos. Mutter Lilli Klapp war eine studierte Kammersängerin, aus vermögendem Hause, mit guten Kontakten zur Ufa. Sie vermittelte Günther und seinen vier Geschwistern Hans-Otto (1926 geboren), Helga (1929), Irene (1930) und Horst-Dieter (1933) seit den späten Dreißigerjahren Filmrollen und Theater-Engagement. Günther war 1939 in Stern von Rio zu sehen, damals gerade acht Jahre alt. Alle fünf Geschwister spielten 1940 zusammen in Verwandte sind auch Menschen, unter der Regie von Hans Deppe (Buch: Erich Kästner). Der Dienst bei den Pimpfen blieb Günther erspart. Nach einem ersten Treffen forderte ein Fähnleinführer den Jungen auf, seine Locken abzuschneiden. „Die waren jedoch eins seiner Markenzeichen als Kinostar“, erinnert sich Günthers Schwester Irene, genannt Reni. „Günther kam weinend nach Hause und Vater ließ den Fähnleinführer, der tags darauf bei uns vorsprach und ihn wieder abholen wollte, mit den Worten abblitzen: Mein Sohn gehört mir.“ Erhaltene Atelierfotos beweisen, dass sich die Eltern durchaus bemüht haben, ihren Sohn als Filmstern zu inszenieren. „Und leider wurde Günther dadurch wohl im Laufe der Zeit ein wenig größenwahnsinnig. Er war schrecklich eigensinnig und leider auch viel zu arrogant“, sagt Irene Wegmann, geborene Klapp, heute. Als Kind übernahm sie oft Rollen für ihren Bruder, denn sie waren fast gleich groß. „Um 1940 spielte Günther nachmittags in der Komödie in Aschenputtel und abends nebenan im Theater am Kurfürstendamm an der Seite von Wilhelm Bendow. Nicht nur als mein Bruder die Windpocken bekam, musste ich einspringen. Oft hetzte ich Hals über Kopf zum Theater, entschuldigte ihn und wurde in aller Eile geschminkt. Vielen Regisseuren war ich ganz recht, denn ich sprach sehr deutlich, während Günther ziemlich nuschelte.“ Für seine Rolle im Rühmann-Film bekam Günther 1943 eine Gage von 75 Reichsmark. Bei der Tobis gab es auch einmal 100 Reichsmark, Traumgagen gegen die beim Theater üblichen 8 Reichsmark. Günther Klapp hatte an der Seite von Ernst Rotmund und Hilde Sessak nur einen Drehtag im Atelier von Babelsberg. Die Gagenliste vermerkte „SE“ wie Sondereinsatz, wie für alle Darsteller, die keine gelernten Schauspieler waren. Kurz nach den Dreharbeiten zur Feuerzangenbowle zogen die Klapps von der Gneisenaustraße an das Kottbusser Ufer. Das war ein Glück, denn ihr altes Haus wurde wenige Wochen später durch einen Volltreffer ausgebombt. In etwa zehn Filmen wirkten die Klapp-Kinder bis Kriegsende mit, einzeln oder gemeinsam. Nach 1945 blieb Günther Klapp zunächst weiter beim Film. Bis zu seinem 20. Lebensjahr drehte er bei der Defa. 1949 spielte er den Kellner Klaus in Die Kuckucks – das war seine letzte größere Filmrolle. „Dann verpasste er immer wieder Termine, schluderte und wurde arbeitslos“, berichtet sein Sohn Lutz Klapp. Manchmal weigerte er sich stur die Szene zu betreten, mit Ausreden von drückenden Schuhen und falscher Garderobe. Der gesamte Filmstab musste warten, auf dem Theater verfuhr er ähnlich, erinnert sich seine Schwester. 1951 heiratete Günther Klapp seine erste Frau Helga Hützen. Das Paar bekam drei Kinder. Noch vor der Geburt des jüngsten Sohnes Lutz 1955, trennten sie sich wieder. „Seine erste Frau war schlicht mannstoll, da hatte er großes Pech gehabt“ betont Schwester Reni. Die Kinder wuchsen in Heimen auf. Lutz kam in den Berliner Elisabethstift, mit sechs Jahren in ein Kinderheim in Nordhessen. Günther Klapp blieb zunächst in Berlin und schlug sich als Kellner durch. Nach einer Etappe als Vorarbeiter bei einer Varieté-Truppe zog er in den Harz. Einige Wochen nach dem Mauerbau ging er mit seiner zweiten Frau zurück in den Westteil Berlins und eröffnete ein Restaurant in Zehlendorf. „Seine zweite Ehe war auch nicht leicht“, erinnert sich Reni. „Er sagte mein Engelchen zu ihr und sie schlug mit einer Bratpfanne auf ihn ein.“ Seine Kinder aus erster Ehe hat Günther Klapp lange verleugnet. Lutz Klapp sah seinen Vater zum ersten Mal mit 17 Jahren, das war 1972. Über die Dreharbeiten der Feuerzangenbowle sprach der Vater mit dem Sohn nicht. „Ich wusste lange Zeit nicht einmal, dass mein Vater überhaupt Schauspieler war. Erst meine Tante Irene erzählte mir davon.“ Auch im Alter interessierte sich Günther Klapp mehr für seine Kneipenbekanntschaften und nur selten für seine Familie. Er starb 1987, erst 56 Jahre alt, in einem Berliner Krankenhaus an Magen- und Speiseröhrenkrebs. Seine Schwester Irene schätzte seinen Humor, sagt aber auch: „Er war ein typischer Skorpion, sehr schwierig und er hat sich viel in seinem Leben selbst verbaut.“

Hier seht ihr eine Buchlesung von Oliver Ohmann in der Kalckscheune Berlin.

Das ist der Teil des Filmes, in dem ihr meinen Vater als Hotelpagen sehen könnt.

Hier für alle Feuerzangenbowle-Fans ein Film, der zeigt sehr gut, wie man eine Feuerzangenbowle zubereitet, viel Spass bei der Feuerzangenbowle.

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